hundephysiotherapie und hundekrankengymnastik im Wetteraukreis, Main-Kinzig-Kreis, Vogelsbergkreis und Rhein-Main-Gebiet.

Chelsea - Zoe - Medea

hundephysiotherapie und hundekrankengymnastik im Wetteraukreis, Main-Kinzig-Kreis, Vogelsbergkreis und Rhein-Main-Gebiet.
 
 
 
     
     
     
     
     
 
     
     
     
     
     
     
     
     
 
     
 
     
 
 
 
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2000 und 2001

Neben meinem Kindheitstraum, ein eigenes Pferd zu besitzen, wollte ich dazu auch immer schon einen Reitbegleithund haben. Es sollte ein sportlicher Hund sein, der nicht nur mich am Pferd, sondern auch meinen Mann beim Joggen begleiten konnte. Ein kurzhaariger, pflegeleichter Hund, der Spaß an der Bewegung und am Spiel hatte. Gerne wollte ich wieder einen Dalmatiner haben, aber da der Dalmi durch diverse Disneyfilme phasenweise zum Modehund geworden war, haben wir von ihm damals erst einmal wieder Abstand genommen. Meinem Mann gefiel der Dobermann sehr gut. Er schien das Idealbild eines sportlichen und bewegungsfreudigen Hundes zu sein. Ich selbst hatte zunächst Bedenken aber nach diversen Ausstellungsbesuchen und Gesprächen mit Züchtern und Dobermannbesitzern haben wir schnell erkannt, dass der Dobi ganz und gar nicht den üblichen Vorurteilen entsprach, die man dieser tollen Rasse gegenüber hatte. Es sollte also ein Dobermann werden. Möglichst ein Junghund, natürlich unkupiert und am liebsten eine Hündin.

Das schien aber im Jahre 1999 gar nicht so einfach zu sein. Obwohl schon seit 1987 in Deutschland das Ohrenkupierverbot und seit 1998 das Rutenkupierverbot gilt, war es kaum möglich irgendwo unkupierte Junghunde zu bekommen! Sogar die verschiedensten Züchter, die wir zwecks Infos über die Rasse aufgesucht (und schnell wieder verlassen hatten), meinten, unkupierte Dobis könne man nicht verkaufen und ihre kupierten Welpen seien nur aufgrund medizinischer Indikation kupiert! Weil sie sich angeblich die Rute blutig geschlagen hatten…..ja ja…..wer´s glauben wollte…. Aber daß unkupierte Dobermänner damals nicht zu verkaufen waren, erwies sich leider als wahr. Und war zu dem Zeitpunkt auch unser Glück. Von einer Freundin aus Süddeutschland erfuhr ich Ende April 2000, dass in einem Tierheim in der Nähe von Heidelberg fast ein ganzer Wurf junger unkupierter Dobis abgegeben worden war. Die Hunde stammten angeblich aus einem Wurf, wo es mal Nachwuchs geben sollte. Und wo die Leute mit 13 Welpen und den 2 Eltertieren schlichtweg überfordert waren….. so sehr, dass sie die Hundekinder in den Keller gesteckt hatten, wo sie mehr oder weniger isoliert ohne Umweltreize aufwachsen mussten. Irgendwann sah man dann wohl ein, dass man die Tiere nicht verkaufen konnte und entschloss´ sich, die Junghunde im Tierheim zu entsorgen. Nach mehreren Telefonaten mit dem Tierheim stellte sich dann heraus, dass unter den Hunden auch eine braune 5,5 Monate alte Hündin war. Unsere Chelsea! Nachdem telefonisch alle Formalitäten geregelt waren, wir alles für die Ankunft unseres neuen Familienmitgliedes vorbereitet hatten, fuhren wir früh morgens fast 600 km in Richtung Süden. Als wir Chelsea dann das erste Mal sahen, habe ich mich zuerst ziemlich erschrocken. Sie war ein klapperdürres, viel zu großes Häufchen Elend, das am ganzen Körper zitterte wie Espenlaub. Sie hatte überall kleine Macken, da sie wohl von ihren Brüdern ziemlich drangsaliert worden ist. Sie ging keinen Schritt an der Leine, sondern musste aus dem Zwinger getragen werden. Bei der 'Besichtigung' vor dem Tierheim, saß sie nur ängstlich zitternd gegen die Hauswand gelehnt und ließ alle Streicheleinheiten nur über sich ergehen. Nein, das war ganz bestimmt nicht der Hund, den ich mir vorgestellt hatte! Wie sollte aus dem ängstlichen, scheuen, verschreckten Etwas mein Reitbegleithund werden? Aber wie es schon bei Medea der Fall war, hier hat der Verstand ausgesetzt und das Herz gesprochen. Wir haben Chelsea adoptiert!

Chelsea musste in den ersten Tagen bei uns eine ganze Menge lernen. Sie hatte wegen der isolierten Kelleraufzucht bisher absolut nichts von der Welt gesehen. Die Kleine hatte Angst vor ihrem eigenen Schatten, fürchtete sich vor unseren frei fliegenden Wellensittichen im Arbeitszimmer (ging dort drei Tage nicht mehr rein, nachdem die Vögel einmal über sie hinweg geflogen waren...), kannte keinen Rasen (sie machte anfangs immer nur auf den Asphalt...), keine Treppen, geschweige denn andere Tiere, Menschen, Fahrräder, Autos etc. Chelsea hatte einfach vor allem Neuen nur schreckliche Angst! Zu ihrem und unserem Glück war sie aber unheimlich verspielt. Nachdem sie die Wohnung und ihr Spielzeug begutachtet hatte war der Bann zu uns gebrochen. Sie spielte und tobte durch die ganze Wohnung, als wenn sie die vergangenen Monate im Keller schnell vergessen wollte. Sie war sofort unheimlich anhänglich und verschmust und ein richtiger kleiner Schatten. Sie war sehr intelligent und lernbegierig und konnte die einfachen Grundkommandos (sitz, platz, komm, bleib) innerhalb weniger Tage. Draußen sah die Sache jedoch ganz anders aus. Sie zuckte bei jedem Geräusch und jeder Bewegung zusammen. Chelsea hätte aufgrund ihres Benehmens noch in eine Welpengruppe gehört, aber die verschiedensten Hundeschulen wollten keinen 6-monatigen Dobi in den Welpengruppen, auch nicht als sie sahen, dass Chelsea vor 10 Wochen alten Jack-Russel-Welpen davonlief! Also haben wir privat eine organisiert und auch da dauerte es etliche Treffen, bis sie vor den anderen Hunden keine Angst mehr hatte. Auch brauchte sie recht lang, bis sie draussen bei den ganzen Umweltreizen so viel Vertrauen zu uns hatte, dass sie nicht mehr nur auf der Flucht vor allem war. Zum Glück konnten wir sie in der Reithalle von Medeas Stall täglich frei laufen lassen, so dass sie ihre Power richtig rauslassen konnte und auch lernte unter Ablenkung und in Angstsituationen zu uns zu kommen.

Dann geschah´ im Sommer 2000 leider der schreckliche Vorfall in Hamburg, bei dem zwei Pitbulls einen 6-jährigen Jungen zu Tode gebissen hatten. Hunderassen wurden in 'schnell gemachten' Hundeverordnungen wahllos auf eine 'Liste gefährlicher Hunde' gesetzt und mussten plötzlich mit Leine und Maulkorb ausgeführt werden. In NRW gehörte auch der Dobermann dazu... Chelsea war 7 Monate alt... und immer noch ein ängstliches Ewas... Dass von nun an alle Leute einen großen Bogen um den einst "so süßen Hund" machten, brauche ich bestimmt nicht zu erwähnen. Nun suchte ich erneut Kontakt zu den verschiedensten Hundeschulen und Vereinen, damit wir einen Wesenstest bzw. eine Begleithundeprüfung für die Leinen- und Maulkorbbefreiung machen konnten. Und ich wurde mehr als einmal ziemlich enttäuscht. Kommentar einer Hundeschule: 'Was wollen Sie denn mit einem ängstlichen Dobermann? Der wird sein Leben mit Maulkorb an der Leine verbringen dürfen! Bringen Sie den lieber zurück ins Tierheim!' Dass ich mit meinen Nerven mehr als einmal am Ende war, kann man sich sicher vorstellen. Da man keinen Modehund à la Golden Retriever hatte, schienen viele Hundeschulen Angst um ihren guten (???) Ruf zu haben und lehnten die Aufnahme eines "Listenhundes" in ihre Kurse ab. Sogar von der Abteilung des ortsansässigen Dobermannvereins bekam ich keine Hilfe…. Chelsea war ja nur ein Second-Hand-Hund ohne Papiere, für den man sich daher nicht wirklich interessierte. Eigentlich hatte ich gedacht, dass man dort als Dobermannneuling Unterstützung von erfahrenen Dobermannhaltern bekommen könnte. Aber dem war nicht so… Einen Kommentar dazu erspare ich mir lieber….. Zum Glück fand ich eine private Hundeschule, wo wir einen Begleithundekurs machen konnten. Chelsea war immer noch sehr schreckhaft, zurückhaltend und unsicher fremden Menschen und Hunden gegenüber, dabei war sie aber NIE aggressiv, auch nicht wenn sie in die Enge gedrängt wurde. Aufgrund des Kurses und mit Empfehlung der Kursleitung bekam Chelsea bis zur Prüfung eine befristete Leinen- und Maulkorbbefreiung und somit die Chance, irgendwann ein normaler Hund zu werden. Die Prüfung legte sie dann mit 14 Monaten ab und bestand sie mit Bravour. Allerdings bekam mein Mädel mit dieser BH-Prüfung immer noch keine lebenslange Befreiung von Leine und Maulkorb…..da sie mit 14 Monaten noch zu jung war….. Wir mussten die Prüfung also später noch einmal wiederholen……

Da sich das Umweltministerium und die Ordnungsämter von NRW auch endlich geeinigt hatten, was genau von Listenhunden verlangt werden sollte, sollte unsere zweite Prüfung ein VDH-Team Test mit integriertem Wesenstest für Listenshunde werden. Nachdem ich also meine Zuverlässigkeit (polizeiliches Führungszeugnis, Sachkundenachweis, Haftpflichtversicherung...) erbracht hatte, suchte ich nun eine vom Ministerium anerkannte Schule mit anerkanntem Prüfer, die auch den Wesenstest abnehmen konnten. Den Kommentar dazu erspare ich mir natürlich... Aber auch das haben wir geschafft. Chelsea und ich absolvierten den Team-Test/Wesenstest im Sommer/Herbst 2001 mit Bravour. Sie wurde umfassend geprüft, in der Stadt, auf dem Hundeplatz und im Wald bzw. auf den Feldern. Die Hunde mussten in Begegnungen mit anderen Hunden, Fahrradfahrern, Joggern, lärmenden, Ballspielenden Kindern, in Bedrohungssituationen und auch bei der Vereinsamung gelassen und frei von Aggressionen sein. Mein schüchternes, zurückhaltendes und immer noch ängstliches Mädel hat alle Situationen souverän gemeistert! Mann, war ich stolz auf sie!!! Und so bekamen wir schließlich unsere endgültige Leinen- und Maulkorbbefreiung. Kleine Bemerkung am Rande: Seit dem 01.01.2003 gibt es in NRW das Landeshundegesetz und der Dobermann ist von sämtlichen Listen gestrichen... und nur noch das, was er eigentlich immer war, ein liebenswerter, temperamentvoller, sportlicher und anhänglicher Familienhund! Nur schade, dass es bisher kaum jemand mitgekriegt hat und dem Dobi immer noch ein schlechter Ruf á la 'Magnum' nachgesagt wird. Es war in den ersten beiden Jahren kein leichter Weg für uns, aber er hat sich gelohnt!

Zu Chelsea`s Verhaltensproblemen gesellten sich noch früh eine Menge gesundheitlicher Probleme. Neben immer wiederkehrenden Pickeln mit dazugehörigem Juckreiz fing sie mit 10 Monaten plötzlich stark zu lahmen an. Laut Tierarzt eine 'normale' Wachstumsstörung, die nach der nötigen Ruhe wieder verschwinden würde. Also warteten wir zunächst ab. Mit 12 Monaten mussten wir Chelsea leider kastrieren lassen. Dies war nicht nur eine Auflage vom Tierheim, sondern wurde von unserem Ordnungsamt auch für alle Listenhunde angeraten. Eigentlich wollte ich keine Kastration ohne medizinische Indikation, aber mir war damals die Gefahr zu groß, dass man mich bei einer Weigerung für "nicht geeignet zur Haltung eines Listenhundes" hätte halten können. Wer weiß, was dann mit Chelsea geschehen wäre…. Also biss´ ich, bei der damals noch unklaren Gesetzeslage zu diesem Thema, in den sauren Apfel und stimmte einer Kastration zu. Da Chelsea schon mal in Narkose war, wurde auch gleich ihre Hüfte geröntgt. Die erste Diagnose hieß 'mittelschwere bzw. schwere Hüftgelenksdysplasie'. Nach diesem Schock folgte der nächste. Bei der Kastration wäre unser Mädel fast verblutet, da eine bisher nicht bekannte Blutgerinnungsstörung festgestellt worden war. Sie litt, wie viele Dobermänner an einer typischen, erblich bedingten Erkrankung namens "von Willebrand-Syndrom". Anschließende Bluttests ergaben, dass die Gerinnungsstörung bei kleineren Verletzungen wohl nicht lebensbedrohlich werden dürfte, solange man große Operationen vermeiden könnte.. Tja und nun??? Eine einfache HD-Operation wie die Muskel- oder auch Nervendurchtrennung kam ja leider nicht in Frage. Eine neue Hüfte schon mal gar nicht. Mit der Gerinnungsstörung wäre diese OP`s nicht wirklich erfolgversprechend gewesen. Anfänglich gegebene Schmerzmittel führten auch nur zu kurzfristigem Erfolg. Die Lahmheitsprobleme kamen immer wieder zurück. Außerdem schien es mir nicht sehr sinnvoll einen so jungen Hund für den Rest seines Lebens mit Schmerzmitteln vollzustopfen. Also, was tun? Ich suchte nach anderen Möglichkeiten und irgendwann habe ich schließlich von der Goldakupunktur gehört. Nach ausgiebiger Recherche fand ich einen guten und erfahrenen Tierarzt auf diesem Gebiet und so wurde Chelsea mit 19 Monaten 'vergoldet'. Leider wurde bei dieser "Operation" die erste HD-Diagnose revidiert. Chelsea hat beidseitig schwere HD und außerdem noch Spondylose im Lendenwirbelbereich! Und das bei einem so jungen und temperamentvollen Hund! Leider schlug die Goldakupunktur bei Chelsea nicht so an, wie ich es mir erhofft hatte. Es schien, als würde ausgerechnet meine Prinzessin zu den wenigen Prozent der Hunde gehören, bei denen sie nicht hilft. Ich suchte somit erneut nach anderen Alternativen, um Chelsea ein halbwegs hundegerechtes Leben zu ermöglichen. So kam ich schließlich zur Frischfütterung oder neudeutsch zum BARF (=Biologisch, artgerechte Rohfütterung). Dabei wird der Hund mit frischem Fleisch, Gemüse, Obst, Knochen, Ölen, diversen Zusätzen und wer will, auch mit Reis, Kartoffeln oder anderem Getreide gefüttert. Wobei sich eine getreidefreie Fütterung gerdae bei Gelenkkranken und allergischen Hunden bewährt hat. Da Chelsea ja auch immer wieder mit Pickeln zu kämpfen hatte, deren Ursache nie gefunden wurde (Allergietests, Schilddrüse etc. waren ohne Befund) habe ich mich im Sommer 2002 entschlossen, mein Mädel auf die Rohfütterung umzustellen. Und siehe da. Die Pickel und der Juckreiz verschwanden, ihre Lahmheitsprobleme wurden immer weniger und auch immer mal wieder vorhandene Verdauungsprobleme lösten sich in Luft auf. Wer hätte gedacht, dass die Lösung für so viele gesundheitliche Probleme so einfach sein kann.